Schlafmittel bzw. Medikamente gegen Schlafstörungen.

Ein Überblick über die gängigsten Schlafmittel. Vorteile und Nachteile. Welche Medikamente gegen Schlafstörungen sollte man einnehmen und ist eine Einnahme überhaupt sinnvoll?
Dieser Artikel liefert einen Überblick über die verschiedenen eingesetzten Schlafmittel.

Wichtig! Nehmen Sie Schlafmittel immer nur in Absprache mit ihrem Arzt ein. Eine genaue Planung der Behandlung und eine exakte Dosierung dieser Medikamente ist sehr wichtig.

Z-Substanzen (Z-Drugs)

Diese Medikamentengruppe gilt heutzutage als das Schlafmittel der ersten Wahl.
Diese Medikamente werden auch als moderne Schlafmittel oder „neue“ Schlafmittel bezeichnet. Doch so neuartig sind diese Substanzen heutzutage nicht mehr, da diese mittlerweile schon seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts im Handel erhältlich sind.

Wirkung: Schlafanstoßend

Vorteile:
Kurze Halbwertszeit, sie werden vom Körper schnell abgebaut und man fühlt sich am nächsten Tag nicht so sehr durch das Medikament beeinträchtigt. Der sog. Hang-Over-Effekt fällt also nur gering aus.

Nachteile:
Diese Medikamente sind in ihrer Wirkung ähnlich den Benzodiazepinen und sollten daher nur für kurze Zeit angewendet werden. Bei längerer Einnahmedauer (> 4 Wochen) haben auch die Z-Substanzen ein Abhängigkeitspotential ähnlich dem der Benzodiazepine.


Zu den Z-Substanzen zählen folgende Medikamentengruppen:

– Zolpidem (Handelsnamen u.a.: Bikalm, Stilnox, zahlreiche Generika).
Das am häufigsten verschriebene Schlafmittel überhaupt.
– Zopiclon (Handelsnamen u.a.: Ximovan, Imovane, zahlreiche Generika).
Etwas längere Halbwertszeit als Zolpidem, kann daher in geringerer Dosis verabreicht werden.

Benzodiazepine

Diese Medikamente galten vor der Entdeckung der Z-Substanzen als die am häufigsten verordneten Medikamente bei Schlafstörungen. Heutzutage werden sie nur noch selten als Schlafmittel verwendet.

Eingesetzt werden Sie heutzutage v.a. als sedierende, stark beruhigende und krampflösende Medikamente in verschiedenen Einsatzgebieten:
Vor allem zur Sedierung vor Operationen, bei akuten Angst- und Panikzuständen und als Notfallmedikament bei Krampfanfällen.

Wirkung: Angstlösend, krampflösend, muskelentspannend, beruhigend

Vorteile:
Das Herz-Kreislaufsystem wird kaum belastet, sodass diese auch vor und während Operationen gut eingesetzt werden können. Sehr gute und schnelle Wirkung.

Nachteile:
Starkes Abhängigkeitspotential, daher nur für kurze Zeit anwendbar. Einnahmedauer < 2 Wochen. Benzodiazepine gelten als Suchtmittel. Selbst niedrig dosiert kann schon recht bald eine Abhängigkeit entstehen.
Zu den Benzodiazepinen zählen folgende Medikamentengruppen:

– Kurze Wirkungsdauer: z.B. Midazolam, Triazolam (Handelsnamen u.a.: Dormicum, Halcion)
z.B. zur Op-Vorbereitung, zur Sedierung bei Untersuchungen, rufen keine Tagesmüdigkeit hervor.
– Mittlere Wirkungsdauer: z.B. Lorazepam, Alprazolam, Oxazepam (Handelsnamen u.a.: Tavor, Tafil, Adumbran, zahlreiche Generika). Geringfügige Überhang-Effekte am nächsten Tag.
– Lange Wirkungsdauer: z.B. Diazepam, Bromazepam, Clonazepam (Handelsnamen u.a.: Valium, Lexotanil, Tranxilium, Rivotril, zahlreiche Generika). Starke Überhang-Effekte am nächsten Tag.

Antidepressiva

Immer häufiger werden heutzutage niedrig dosierte Antidepressiva als Schlafmittel bei Schlafstörungen eingesetzt, da bei deren Anwendung kein Suchtpotential vorhanden ist.
Man greift dabei auf bestimmte Antidepressiva zurück, die eine beruhigende, dämpfende Wirkung entfalten und daher auch schlafanstoßend wirken.

Falls zudem eine Depression vorhanden ist, wird das schlafanstoßend wirkende Antidepressivum tagsüber mit einem antriebssteigernden Antidepressivum kombiniert.
Beispiel: Tagsüber Sertralin, zur Nacht dann Mirtazapin (niedrig dosiert)

Der stimmungsaufhellende, antriebssteigernde Effekt setzt dabei erst nach 2-4 Wochen Einnahmedauer ein. Die schlafanstoßende „Nebenwirkung“ macht sich jedoch sogleich bemerkbar.

Die wichtigsten Antidepressiva, die als Schlafmittel eingesetzt werden:
– Trimipramin (Handelsnamen u.a.: Stangyl, zahlreiche Generika)
– Doxepin (Handelsnamen u.a.: Aponal, zahlreiche Generika)
– Amitryptilin (Handelsnamen u.a.: Saroten, Equilibrin, zahlreiche Generika)
– Opipramol (Handelsname: Insidon, zahlreiche Generika)
– Mirtazapin (Handelsname: Remergil, zahlreiche Generika)

Man muss hier noch zwischen den klassischen trizyklischen Antidepressiva (Trimipramin, Doxepin, Amitryptilin) und den moderneren tetrazyklischen Antidepressiva (z.B. Mirtazapin) unterscheiden.

Opipramol nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Es zählt zu den Anxiolytika, also den Angst lösenden Medikamenten und ist eines der am häufigsten verordneten Medikamente bei Schlafstörungen, vor allem wenn Ängste dabei eine große Rolle spielen.

Grundsätzlich werden Antidepressiva, um eine rein schlafanstoßende Wirkung zu erzielen, in deutlich niedrigeren Dosen als zur Behandlung einer Depression verwendet.

Sehr gerne wird heute Mirtazapin in einer niederen Dosierung von 7,5 bis 15 mg eingesetzt, da hier auch mit einer solchen Dosierung sowohl eine schlafanstoßende Wirkung, als auch eine antidepressive Wirkung erzielt werden kann.

Vorteile:
Antidepressiva sind das Schlafmittel der Wahl bei suchtgefährdeten Patienten und bei solchen, bei denen die depressive Symptomatik eine erhebliche Rolle spielt. Auch bei älteren Menschen können Antidepressiva gefahrloser eingesetzt werden, da die Sturzgefahr weitaus geringer ist (keine muskelrelaxierende Wirkung).

Nachteile:
Geringere schlafanstoßende Wirkung als z.B. bei den Z-Substanzen. Der größte Nachteil ist aber die deutlich größere Anzahl an Nebenwirkungen. Die wichtigsten dabei sind Mundtrockenheit, Sehstörungen, Gewichtszunahme, Herzrhythmusstörungen, Potenzverlust, Leberfunktionsstörungen.

Deutlich längere Wirkungsdauer. Diese Mittel wirken daher auch noch am Tage fort, was bei Depressionen aber auch erwünscht sein kann.

Auch Antidepressiva wirken sich auf die Schlafphasen aus, so wird dadurch v.a. der REM-Schlaf unterdrückt und die dort natürlich vorhandenen Prozesse beeinflusst.
(siehe mein Artikel -> Schlafphasen und Schlafstadien).

Eine Überdosierung kann fatale Folgen haben, was bei den Z-Substanzen und den Benzodiazepinen kaum der Fall ist.
Wichtig: Regelmäßige EKG-Kontrollen. Auch sollten die Leberwerte in bestimmten Abständen überprüft werden.

 

schlafmittel 1

Es ist schwierig bei der Vielzahl an Schlafmitteln den Überblick zu behalten

Neuroleptika der ersten Generation

Neuroleptika sind Medikamente die vor allem in der Psychiatrie Verwendung finden. Hier werden Sie v.a. bei Patienten eingesetzt, die an schweren psychischen Störungen leiden.

Diese sog. „Psychosen“, d.h. Erkrankungen die zu Trugwarnehmungen und wahnhaften Gedanken führen, werden durch diese Medikamente positiv beeinflusst.

Psychotische Patienten leiden zudem oft an Erregungszuständen, Ängsten und starken Spannungszuständen. Neuroleptika ermöglichen diesen Patienten in vielen Fällen ein weitgehend normales Leben und sind für eine Langzeitbehandlung geeignet.

Zudem wirken diese Medikamente beruhigend und dämpfend, was man sich bei Schlafstörungen zunutze macht.

Als Schlafmittel werden sog. „niedrig-potente Neuroleptika“ verwendet, die eine ausgeprägte sedierend-beruhigende Wirkung entfalten.

Die antipsychotische Wirkung ist bei diesen Neuroleptika dagegen nur schwach ausgeprägt. Zudem unterscheidet man zwischen Neuroleptika der ersten und der zweiten Generation, die sich durch unterschiedlich ausgeprägte Nebenwirkungen unterscheiden.

Die wichtigsten Neuroleptika der ersten Generation, die als Schlafmittel eingesetzt werden:
– Promethazin (Handelsnamen u.a.: Atosil, Closin, zahlreiche Generika)
– Pipamperon (Handelsnamen u.a.: Dipiperon, zahlreiche Generika)
– Melperon (Handelsnamen u.a.: Melneurin, Eunerpan, zahlreiche Generika)
– Prothipendyl (Handelsname: Dominal)

Vorteile:
– Sehr geringes Risiko einer Abhängigkeit, kaum Gewöhnungseffekte
– Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem gegenüber Antidepressiva deutlich verringert.
– Weniger toxisch wirkend als Antidepressiva
– Keine Beeinflussung des REM-Schlafes
– Ideal für Patienten die an einer Psychose und an Schlafstörungen leiden

Nachteile:
– Ähnliche Nebenwirkungen wie Antidepressiva (siehe dort)
– Extrapyramidal-motorische Störungen (EPMS)
– Spätdyskinesien (Störungen im Bereich der Muskulatur) als Folge einer Langzeiteinnahme. Diese Störungen sind irreversibel.
– Lange Wirkdauer mit Hang-Over-Effekt am nächsten Tag

Neuroleptika der zweiten Generation

Neuroleptika der ersten Generation existieren schon seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ungefähr 40 Jahre später, also in den 90er Jahren, entwickelte man dann die sog. atypischen Neuroleptika die auch als Neuroleptika der zweiten Generation bezeichnet werden.

Der größte Vorteil gegenüber den Neuroleptika der ersten Generation besteht in der besseren Langzeitverträglichkeit. So entstehen weitaus weniger Spätdyskinesien und Extrapyramidal-motorische-Störungen. In der Behandlung der Schizophrenie ein bedeutender Durchbruch.

Nachteil: Blutzuckersteigernde Wirkung, Blutfettwerte können ebenfalls ansteigen. In seltenen Fällen kann sich ein Diabetes Mellitus entwickeln.

In niedriger Dosierung werden diese Medikamente immer öfter auch als Schlafmittel angewendet, indem man sich auch hier die sedierenden, dämpfenden Eigenschaften zu Nutze macht.

Insbesondere bei Patienten, bei denen grüblerische Gedanken eine vordergründige Rolle spielen, können diese Medikamente dabei helfen, die Gedanken etwas zu ordnen und das Grübeln zu reduzieren.

Die wichtigsten Neuroleptika der zweiten Generation, die bei Schlafstörungen eingesetzt werden:
– Quetiapin (Handelsnamen u.a.: Seroquel, zahlreiche Generika)
– Olanzapin (Handelsnamen u.a.: Zyprexa, zahlreiche Generika)

Chloralhydrat (Chloraldurat ®)

Chloralhydrat ist eines der sehr alten Schlafmittel, das schon Ende des 19. Jahrhunderts als Schlafmittel eingesetzt wurde. Es wird zur kurzfristigen Behandlung von Schlafstörungen verwendet, wird aber heutzutage nur noch sehr selten verabreicht.

Chloralhydrat verursacht leider sehr viele Nebenwirkungen die vor allem das zentrale Nervensystem betreffen. Zu den Nebenwirkungen gehören psychiatrische- und zentrale Störungen wie Schwindel, Kopfschmerzen, kleine Pupillen, Verwirrungs- und Erregungszustände. Eine typische Nebenwirkung ist das Herabhängen eines Augenlids. Auch können Herzrhythmusstörungen auftreten. Die Verdauungsfunktion ist ebenfalls betroffen. Außerdem wurde es als wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft.

Chloralhydrat macht bei langfristiger Einnahme abhängig und sollte daher nur sehr kurzfristig angewendet werden.

Chloralhydrat spielt heute kaum noch eine Rolle und wird allenfalls bei älteren Patienten eingesetzt, die Benzodiazepine nicht vertragen und bei denen diese indiziert sind.

Präparate (Handelsnamen) die Chloralhydrat enthalten:
– Chloraldurat, Nervifene-Lösung

Antihistaminika

Antihistaminika sind Arzneistoffe die gegen allergische Reaktionen eingesetzt werden. Sie blockieren dabei die Andockung von Histamin an den sog. H1 bzw. H2-Rezeptor der Zelle. Die Wirkung von Histamin wird dadurch blockiert und die Symptomatik der Allergie reduziert.

Als in unserem Fall „erwünschte“ Eigenschaft entfalten diese Medikamente eine beruhigende, müde machende und dadurch schlaffördernde Wirkung.

Vor allem ältere Antihistaminika (1. Generation) machen stark müde und werden daher fast nur noch als Schlafmittel eingesetzt. Gegen Allergien werden heutzutage moderne Formen verwendet, die die müde machende Wirkung deutlich weniger entfalten.

Antihistaminika sind in der Regel rezeptfrei erhältlich und vor allem aus diesem Grund sehr beliebt. Sie gehören daher zu den am häufigsten verwendeten Schlafmitteln.

Es werden dabei die Wirkstoffe Diphenhydramin und Doxylamin eingesetzt. Diese beiden Wirkstoffe werden unter zahlreichen Handelsnamen vertrieben.

Die wichtigsten Antihistaminika der ersten Generation, die als Schlafmittel eingesetzt werden:
– Diphenhydramin (Handelsnamen: Dolestan, Halbmond, Hevert-Dorm u.a.)
– Doxylamin (Handelsnamen: Hoggar N, SchlafTabs ratiopharm)

Bitte beachten Sie, dass Sie hier nur Monopräparate verwenden, die also nur einen einzigen der beiden Wirkstoffe beinhalten. Es sind noch einige Präparate am Markt die zu den o.g. Wirkstoffen noch andere, zum Teil auch pflanzliche Auszüge wie Baldrian oder Kava-Kava-Extrakt enthalten.

Vor allem vor der Kombination mit Kava-Kava-Extrakt wird gewarnt, da hier Leberschädigungen beobachtet wurden.

Vorteile:
Bei den ohne Rezept erhältlichen Schlafmitteln würde ich auf Grund der Risiko/Nutzen-Abwägung eher zu den weiter unten beschriebenen pflanzlichen Präparaten greifen.

Nachteile:
Antihistaminika der ersten Generation weisen leider teilweise erhebliche Nebenwirkungen auf. Neben der bei allen Schlafmitteln üblichen Einschränkung der Verkehrstüchtigkeit können Blutdruckabfall, Herzrasen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Zudem können Beeinträchtigungen der Leber- und Nierenfunktion entstehen.
Sogar das Herz schädigende Nebenwirkungen wurden beobachtet, vor allem bei Überdosierung und in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten.
Zu all diesen Nachteilen kommt vor allem noch hinzu, dass die Wirkung der Präparate „sehr zweifelhaft“ ist. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt den Einsatz von Antihistaminika als Schlafmittel daher seit 2009 nicht mehr. Auch besteht eine schlechte Datenlage, die die Wirkung ausreichend dokumentieren würde. Vor einer Toleranzentwicklung bei längerer Einnahme wird gewarnt.

Pflanzliche Schlafmittel

Pflanzliche Präparate, die als Schlafmittel verkauft werden gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Nicht nur in Apotheken sondern auch in Drogeriemärkten und sogar im Versandhandel sind solche Präparate erhältlich. Das Geschäft mit der Schlaflosigkeit boomt und mehr als 6% aller Deutschen nimmt mindestens 1x pro Monat ein Schlafmittel ein.

Zu allererst versuchen es die meisten mit pflanzlichen Präparaten, die zum Glück nur wenige Nebenwirkungen haben.
Die verwendeten pflanzlichen Wirkstoffe werden vor allem aus Baldrian, Johanniskraut, Melisse, Passionsblume und Hopfen gewonnen. Sehr oft erhält man auch ein Kombinationspräparat dieser Substanzen.

Nebenwirkungen sind sehr selten und sind vor allem als Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen beschrieben worden. Allerdings haben Präparate mit Johanniskrautextrakt teilweise erhebliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Man sollte bei diesen Präparaten genau den Beipackzettel studieren und auf die Verträglichkeit mit anderen Präparaten achten.

Leider ist die Wirksamkeit dieser Medikamente sehr umstritten. Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat in seiner September-Ausgabe 2016 25 rezeptfreie Schlafmittel getestet. Kein Präparat schloss dabei besser als mit der Note „ausreichend“ ab.

Ihre Wirksamkeit beruhe lediglich auf einem ausgeprägten „Placebo-Effekt“. Eine wirklich nachgewiesene Wirkung konnte das Magazin damit nicht entdecken. Diese Einschätzung bezieht sich dabei auch auf die o.g. Antihistaminika. In anderen Versuchen und Studien wurde allerdings durchaus eine Wirkung beschrieben. Allerdings wirken diese Präparate nicht schlafanstoßend, sondern die Nerven beruhigend. Pflanzliche Schlafmittel sind also keine „Schlafmittel“ sondern „Beruhigungsmittel“, die allerdings bei nervöser Unruhe durchaus zu einem besseren Einschlafen beitragen können.

Vorteile:
Sehr wenige Nebenwirkungen (Vorsicht bei Johanniskraut, siehe oben). Im Allgemeinen sehr gut verträglich. Wirkt beruhigend und fördert das Einschlafen bei Einschlafstörungen.

Nachteile:
Keine oder nur sehr geringe Wirkung bei Durchschlafstörungen. Die beruhigende Wirkung bei Einschlafstörungen entwickelt sich allerdings erst nach einigen Tagen. Kein Nutzen bei akuten Unruhezuständen und zur Soforthilfe bei Schlafstörungen.

Die wichtigsten pflanzlichen Präparate, die als Schlafmittel eingesetzt werden:
– Baldrian, Hopfen, Melisse, Johanniskraut, Passionsblume

Mono- und Kombipräparate (Handelsnamen):
– Baldriparan, Sedariston, Kytta-Sedativum, Zirkulin, Lioran, Pascoflair uvm.

Schlafmittel Baldrian

Der Baldrian ist wohl das bekannteste pflanzliche Schlafmittel

Auch wir verwenden an der Klinik hauptsächlich den Baldrian als pflanzliches Schlafmittel.

L-Tryptophan

 L-Tryptophan zählt eigentlich nicht zu den Medikamenten die bei Schlafstörungen eingesetzt werden, sondern es handelt sich dabei um eine essentielle Aminosäure die also dem Körper durch Nahrungsmittel von außen zugeführt werden muss.

Das Besondere an L-Tryptophan ist, dass diese Aminosäure im Körper in Serotonin umgewandelt wird. Serotonin ist ein sog. Neurotransmitter der im wahrsten Sinne des Wortes für eine gute Stimmung sorgt.

Außerdem trägt es dazu bei, dass im Körper Melatonin gebildet wird. Melatonin ist unser Schlafhormon, das für einen ruhigen, erholsamen Schlaf sorgt.

L-Tryptophan ist also ein Nahrungsbestandteil (Aminosäure) der im Körper stimmungsaufhellende und schlaffördernde Prozesse auslöst.

Nahrungsmittel die L-Tryptophan enthalten:
Proteinreiche Nahrungsmittel, wie Sojabohnen, Cashewnuss-Kerne, Kakaopulver, Haferflocken, verschiedene Fleischsorten, Eier und Erbsen.

Vorteile:
Kaum unerwünschte Wirkungen so lange man nicht eine Überdosis zu sich nimmt. Schlaffördernde Eigenschaften schon in geringen Dosen. Rezeptfrei erhältlich.

Nachteile:
Die Dosierung sollte nicht pauschal erfolgen, sondern individuell angepasst werden. Dabei spielen das Alter und die Lebensweise wie Bewegung und Stressfaktoren eine große Rolle. Wechselwirkungen mit bestimmten Antidepressiva (SSRI, MAO-Hemmer). Schwangere, Stillende und Jugendliche sollten L-Tryptophan meiden.

Präparate (Handelsnamen) die L-Tryptophan enthalten:
– L-Tryptophan Zein Pharma, Ardeydorm, Kalma, L-Tryptophan-ratiopharm uvm.

Ich persönlich nutze schon seit Jahren Produkte des Anbieters Vitabay und kann für deren Qualität einstehen.

Melatonin als Schlafmittel?

Melatonin ist ein Hormon das für den Schlaf-Wach-Zyklus verantwortlich ist, es wird auch das „Schlafhormon“ genannt, da es den gesunden Schlaf unterstützt und fördert.

Im Regelfall muss Melatonin nicht von außen als Medikament zugeführt werden, sondern es wird auf natürliche Art durch unseren Körper in der Zirbeldrüse produziert.

Sobald es dunkel ist wird die Produktion angeregt. Dringt über unsere Augen Licht ein, wird die Produktion gesenkt. Wir produzieren also nachts viel Melatonin und tagsüber wenig Melatonin.

Der Lichteinfall spielt also eine entscheidende Rolle ob viel oder wenig Melatonin vorhanden ist.

Leider werden durch unsere Lebensweise diese natürlichen Prozesse gestört, wie z.B. Schichtarbeit, Fernreisen oder wenig Lichtexposition z.B. im Winter. Auch Stress beeinflusst die Produktion von Melatonin, sodass heutzutage diese Funktion zeitweise deutlich gestört ist.

Der cirkadiane Rhythmus wird durch Melatonin also beeinflusst. Da der Schlaf-Wachrhythmus bei unserem Schlaf eine entscheidende Rolle spielt, ist seine optimale Steuerung durch Melatonin also sehr wichtig.

Sollten wir also Melatonin einnehmen, um einen evtl. Mangel zu beseitigen?

Studien haben gezeigt, dass vor allem bei Schlafstörungen die durch einen veränderten Schlaf-Wachrhythmus hervorgerufen werden, der Einsatz von Melatonin als Schlafmittel sinnvoll sein kann.

Es ist aber auf die richtige Dosierung, Einnahmezeitpunkt und Darreichungsform zu achten. Melatonin sollte über die Schleimhäute aufgenommen werden, um überhaupt richtig wirken zu können.

Die empfohlenen Dosierungen liegen bei 0,5mg bis 5mg (vor dem Zubettgehen einzunehmen).

Zugelassen ist Melatonin als Arzneimittel nur zur kurzfristigen Anwendung bei Schlafstörungen und für Patienten ab 55 Jahren.

Als Medikament ist Melatonin unter dem Handelsnamen Cirkadin erhältlich und rezeptpflichtig.

Als diätetisches Lebensmittel deklariert, darf Melatonin allerdings im freien Handel angeboten werden, dabei sind Präparate mit bis zu 5 mg Melatonin rezeptfrei für jeden erhältlich. Laut EU-Verordnung dürfen Produkte die Melatonin enthalten lediglich mit den Hinweisen „Melatonin trägt zur Linderung des subjektiven Jetlag-Gefühls bei“ und „Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen“ beworben werden.

Vorteile:
Gute Verträglichkeit, auch in hohen Dosen kaum den Körper belastend. Geringe Nebenwirkungen v.a. bei hohen Dosierungen (Magenbeschwerden, Reizbarkeit, Nervosität). Auch für andere Beschwerden nützlich wie z.B. Jet-Lag-Gefühl.

Nachteile:
Schlecht zu dosieren, da die Bioverfügbarkeit stark schwankt. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, daher Vorsicht bei Leberfunktionsstörungen und Nierenerkrankungen.
Genaue Planung des Einnahmezeitpunkts notwendig, am besten Abends zwischen 21:00 Uhr und 22:00 Uhr. Nie tagsüber einnehmen.
Es liegen keine Langzeiterfahrungen vor. Es könnten sich also noch Nachteile herausstellen, die heutzutage nicht bekannt sind.

Um die Melatoninproduktion optimal zu steuern ist es meiner Meinung nach aber sehr viel sinnvoller, dies durch bestimmte Verhaltensweisen zu tun. Dazu gehört kein Licht im Schlafzimmer anzuschalten, es sollte dort völlig dunkel sein. Tagsüber dagegen sollte man versuchen maximal Licht zu tanken, um die Zirbeldrüse dann bei aufkommender Dunkelheit maximal Melatonin produzieren zu lassen.

Da die Anwendung hier nicht ganz so einfach ist und eine genaue Indikation vorliegen sollte, empfehle ich zuvor den Melatonin-Spiegel zu testen, dies können Sie bequem zu Hause mit diesem Test erledigen:

Nachbemerkung

Ich hoffe, dass dieser sehr ausführliche Artikel die meisten Fragen beantwortet, die mir immer wieder bzgl. Schlafmitteln gestellt werden.

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer „Mittel“ gegen Schlafstörungen, deren Beschreibung den Rahmen allerdings sprengen würden.

Ich werde in zukünftigen Artikeln allerdings noch auf homöopathische Mittel und auf die Aromatherapie bei Schlafstörungen näher eingehen. Gerade in diesen Bereichen liegt ein großer Nutzen, der oft verkannt wird. Bleiben Sie also auf dieser Webseite präsent und speichern Sie diese als Lesezeichen in Ihrem Browser ab.

Bessere Wirkung als jedes Schlafmittel

Wer ohne Medikamente nehmen zu müssen seine Schlafstörungen bekämpfen möchte und dies dazu noch auf die effektivste Art und Weise, sollte sich dagegen meinen Online-Kurs „Schlafstörungen behandeln mit Profi-Methoden“ einmal näher ansehen.

Sie lernen dort mit speziellen Verhaltensänderungen und mit Hilfe sehr wirksamer Profi-Methoden Ihre Schlafstörung endgültig loszuwerden.

Diese Methoden werden an unserer und auch an anderen psychosomatischen Kliniken angewendet und dies mit sehr großem Erfolg. Nachgewiesener Maßen ist die kognitive Verhaltenstherapie eindeutig die effektivste Methode zur Behandlung von Schlafstörungen.

Wer sich erst informieren möchte wie der Kurs funktioniert, kann sich auch hier nähere Infos anfordern:
-> Hier Informationen anfordern


Zusammenfassung
Schlafmittel bzw. Medikamente gegen Schlafstörungen
Artikelname
Schlafmittel bzw. Medikamente gegen Schlafstörungen
Beschreibung
Die wichtigsten Schlafmittel werden mit ihren Vorteilen und Nachteilen genau beschrieben. Auch die Nebenwirkungen sind teilweise sehr unterschiedlich. Auch diese werden im Artikel natürlich erfasst.
Autor
Herausgeber
Tipps zum Einschlafen
Herausgeber Logo